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CAS Unterrichtsentwicklung mit digitalen Medien – Wenn KI nicht die Antwort liefert, sondern kritische Fragen auslöst

17. April 2000

Derzeit wird das Thema «Künstliche Intelligenz» im Unterricht oft in zwei Extremen behandelt: Entweder wird sie als faszinierende Zukunftstechnologie dargestellt oder als Problem, vor dem gewarnt werden muss. Beides greift zu kurz. Gerade im Unterricht braucht es einen dritten Zugang: KI als Anlass, um genauer hinzusehen, zu hinterfragen und Urteilsfähigkeit zu entwickeln.

Damit sind wir bei der pädagogischen Idee des kritischen Denkens und der Medienkompetenz. Dabei geht es nicht nur um Skepsis, sondern um die Fähigkeit, Medienprodukte einzuordnen, Perspektiven zu erkennen, Herstellungsprozesse mitzudenken und die eigenen Kriterien offenzulegen. Das wird im Umgang mit KI besonders relevant, weil ihre Ergebnisse oft schnell überzeugend wirken, obwohl ihre Entstehung, ihre Grenzen und ihre impliziten Vorannahmen kaum sichtbar sind.

Kritisches Denken trifft KI-Bildgenerierung

Die Technologie der Bildgeneratoren eignet sich deshalb besonders gut als exemplarischer Unterrichtsgegenstand. An ihr lässt sich anschaulich beobachten, dass KI-Ergebnisse nicht neutral entstehen, sondern auf Vorgaben, Trainingsdaten, Stilkonventionen und sprachlichen Entscheidungen beruhen.

Das ist aus pädagogischer Sicht interessant, weil hier etwas sichtbar wird, das sonst leicht verborgen bleibt. Ein Bild wirkt auf den ersten Blick oft unmittelbar überzeugend. Gerade deshalb lohnt es sich, genauer hinzusehen. Welche Vorstellungen von Geschichte, Schönheit oder Realität stecken im Ergebnis? Welche Rolle spielt der Prompt? Was wurde von der KI erzeugt und was wurde von der lernenden Person entschieden? Welche Alternativen wären ebenso denkbar gewesen?

Ein KI-Bildgenerator ist somit nicht einfach ein kreatives Zusatztool. Er wird didaktisch relevant, wenn er zum Anlass genommen wird, die Wahrnehmung zu schärfen, Bildentscheidungen zu hinterfragen und Gestaltungsprozesse offenzulegen. Die Technologie steht dann nicht für Staunen oder Effizienz, sondern für Reflexion und Urteil.

Ein Unterrichtsbeispiel

Ein überzeugendes Beispiel, das kritisches Denken mit der Technologie von Bildgeneratoren verbindet, ist die mia4u-Unterrichtseinheit «Future Past: Visuelle Experimente mit KI-unterstützter Bildgenerierung». Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit Kunstepochen und künstlerischen Ausdrucksweisen auseinander, wählen für ihre Prompts bestimmte Stilrichtungen aus und kombinieren diese mit irritierenden modernen Gegenständen, beispielsweise einem Computer bei Leonardo da Vinci oder einem Handy bei Picasso. Anschliessend generieren sie mehrere Bilder, wählen eines aus und überarbeiten es von Hand weiter. Diese analoge Weiterbearbeitung ist didaktisch klug, da sie verhindert, dass das KI-Bild als fertige Lösung stehen bleibt und Gestaltung wieder zur bewussten Entscheidung macht.

Die Reflexionsfragen der Einheit sind besonders stark. Es geht nicht nur darum, ob ein Bild «gut» aussieht, sondern auch darum, wie mit der KI zusammengearbeitet wurde, was über Prompting gelernt wurde und was Kreativität im Zusammenhang mit KI überhaupt bedeutet. Genau solche Fragen machen aus einem Technikeinsatz einen Bildungsanlass.

Gerade im Umgang mit KI braucht es deshalb Lehrpersonen, die Technologien nicht nur anwenden, sondern auch pädagogisch einordnen können.

Hier setzt das Modul 1 des CAS Unterrichtsentwicklung mit digitalen Medien an. Die Teilnehmenden erkunden unterschiedliche digitale Technologien und stellen sich einen eigenen Baukasten aus Werkzeugen und pädagogischen Konzepten zusammen. Dabei entwickeln sie ein kritisches Verständnis dafür, wann eine Technologie lernförderlich ist und wann nicht.

Im Modul 2 wird dieser Baukasten auf reale Unterrichtsherausforderungen angewendet. Die Teilnehmenden entwickeln prototypische Lösungen für konkrete Szenarien, testen diese und überarbeiten sie iterativ. So lernen sie, digitale Technologien nicht einfach einzusetzen, sondern daraus tragfähige Lernsettings zu entwickeln – etwa auch dort, wo KI-Bildgenerierung zum Anlass für Wahrnehmung, Urteil und Gestaltung wird.

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