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Wenn Beurteilung beim Lernen hilft statt erst am Schluss kommt

2. Juni 2026

In dieser Blogserie zeigen wir, wie wirksame digitale Unterrichtsideen entstehen: aus einer pädagogischen Idee und der dazu passenden Technologie. Farbe steht für das didaktische Prinzip, Form für die technologische Möglichkeit. Erst zusammen entsteht ein stimmiges Unterrichtsszenario.

Formative Beurteilung trifft digitale Lernartefakte

Viele Beurteilungen im Unterricht zeigen erst am Ende, was die Lernenden verstanden haben. Für das Lernen selbst ist das oft zu spät. Wenn sich erst am Ende einer Arbeit zeigt, wo Unsicherheiten bestehen, welche Denkwege eingeschlagen wurden und was tatsächlich verstanden wurde, bleibt die Beurteilung häufig eine Bilanz statt eine Unterstützung.

Die pädagogische Idee: Formative Beurteilung

Genau hier setzt die pädagogische Idee der formativen Beurteilung an. Beurteilung soll das Lernen nicht nur abschliessen, sondern es begleiten, sichtbar machen und weiterbringen. Das klingt naheliegend, ist im Schulalltag aber anspruchsvoll. Denn formative Beurteilung braucht nicht einfach mehr Feedback, sondern geeignete Anlässe, um über das Lernen ins Gespräch zu kommen.

Die formative Beurteilung basiert auf einer pädagogischen Idee: Lernprozesse sollen sichtbar gemacht werden, um das Lernen voranzutreiben.

Die Technologie: Digitale Artefakte als Anlass für Lerngespräche

Besonders ergiebig ist dies dort, wo Lernende digitale Produkte erstellen. Sei es in Form von Programmen, Audioaufnahmen, Videos, Präsentationen oder anderen Artefakten, in denen sich Denkprozesse zeigen. Die technologische Stärke liegt nicht in einem einzelnen Tool, sondern darin, dass Lernstände sichtbar, besprechbar und weiterentwickelbar werden.

Code wird zum digitalen Artefakt: Er macht Denkwege, Lösungen und Lernstände sichtbar und besprechbar.

Das Praxisbeispiel: «Lerngespräche über das Programmieren» von mia4u.ch

Ein überzeugendes Beispiel dafür ist die mia4u-Unterrichtseinheit «Lerngespräche über das Programmieren». Nach einer längeren Unterrichtseinheit mit Scratch bringen die Schüler:innen ihr selbst entwickeltes Programm sowie eine Lernlandkarte ins Gespräch. Darin halten sie in Worten und Bildern fest, was sie gelernt, verstanden und gelöst haben. Im anschliessenden Lerngespräch werden das Programm, die Lernlandkarte und das Kriterienraster gemeinsam betrachtet. Bemerkenswert ist, dass die Unterrichtseinheit ausdrücklich auf eine transparente Beurteilung mit formativen Anteilen setzt und auf eine Note verzichtet.

Gerade darin liegt ihre didaktische Stärke. Die Lernenden sprechen nicht abstrakt über ihr Können, sondern beziehen sich auf konkrete Produkte und Dokumentationen. Sie erläutern, wie ihre Idee entstanden ist, welche Schwierigkeiten aufgetreten sind, welche Anpassungen nötig wurden und wie sie zu ihren Lösungen gelangt sind. So wird Beurteilung zu einem professionellen Gespräch über Lernen und nicht bloss zu einem abschliessenden Urteil über Leistung. Dass die Einschätzungsbögen anschliessend im Portfolio abgelegt werden, verstärkt diesen prozessorientierten Charakter zusätzlich.

Im Unterricht wird daraus ein konkretes Setting: Durch die Verbindung von Programm, Lernlandkarte und Gespräch wird das Lernen zum Gegenstand formativer Beurteilung.

Vom einzelnen Werkzeug zur fundierten Unterrichtsentwicklung

Das Beispiel zeigt: Digitale Artefakte werden nicht allein durch ihre technische Form pädagogisch bedeutsam. Entscheidend ist, dass sie Lernprozesse sichtbar und besprechbar machen. Lehrpersonen müssen deshalb nicht nur digitale Werkzeuge kennen, sondern auch einschätzen können, wann und wie daraus Anlässe für eine formative Beurteilung entstehen.

Genau solche wirksamen Verbindungen zwischen Pädagogik und Technologie stehen im Zentrum des CAS Unterrichtsentwicklung mit digitalen Medien.

Hier setzt das Modul 1 des CAS Unterrichtsentwicklung mit digitalen Medien an. Die Teilnehmenden erkunden unterschiedliche digitale Technologien und stellen sich einen eigenen Baukasten aus Werkzeugen und pädagogischen Konzepten zusammen. Dabei entwickeln sie ein kritisches Verständnis dafür, wann digitale Medien Lernprozesse sichtbar machen und wann sie didaktisch wenig Mehrwert erzeugen.

Im Modul 2 wird dieser Baukasten auf reale Unterrichtsherausforderungen angewendet. Die Teilnehmenden entwickeln prototypische Lösungen für konkrete Szenarien, testen diese und überarbeiten sie iterativ. So lernen sie, digitale Technologien nicht einfach einzusetzen, sondern daraus tragfähige Lernsettings zu entwickeln – etwa auch dort, wo Programme, Lernlandkarten oder andere digitale Artefakte zum Anlass für Lerngespräche und formative Beurteilung werden.

Im CAS wächst der Baukasten für digitale Unterrichtsentwicklung.
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